Aus dem Auto fotografieren

Aus dem Auto Fotografieren – auf Reisen durch die Niederlande

Auf dem Weg ans Ziel

 

Endlich war es soweit, wir fuhren auf dem Weg in die Niederlande, eine schon lang geplante Reise wurde Wirklichkeit.

Bei der Planung der Anreise fiel uns eine Strecke besonders auf, die über das niederländische Friesland führt und zwar ein langer Deich, der das Ijsselmeer von der Nordsee trennt, der Breezanddijk.

Ein beindruckendes Bauwerk. Dieser Deich ist 32 km lang und 90 Meter breit und schützt Amsterdam und viele weitere Städte vor dem Auf und Ab der Gezeiten und damit auch vor Überschwemmungen.

 

Doch wie kann man diese spannende Situation in einem Foto einfangen? 

Anhalten ist auf der Autobahn (A7) keine Option. Und auf den Aussichtsturm klettern ...  nein dafür eine zusätzlich Pause einlegen, das hätte unseren Zeitplan gesprengt.

 

Also Fotografieren aus dem fahrenden Auto, das mittlerweile schon eine recht verschmutze Windschutzscheibe hatte. Hier auf dem ersten Foto sieht man die Insektenreste als unscharfe Flecken. Mit einiger Mühe könnte man die in der Nachbearbeitung heraus "stempeln". Dieses Fotos zeigen wir so wie es ist ... es hat so einen schönen harmonischen Aufbau. Der Brückenbogen, der das Auto und die fluchtenden Linien der Straße überspannt und so den Eindruck von räumlicher Tiefe erzeugt. Das Motiv gelingt nur mit schussbereiter Kamera und geduldigem Warten, bis das eigene Auto die richtige Position hat – und man ggf. mehrfach auslöst. 

 

Am häufigsten habe ich auf dieser Reise mit der handlichen spiegellosen OLYMPUS-Systemkamera (EM5 MarkII und meinem neuen 12-100mm-Objektiv) fotografiert. Zwar hatte ich auch meine SLR-Vollformatkamera dabei. Aber die schied letztlich meist aus, weil sie zu schwer und zu unhandlich ist.

Beim Fotografieren durch die Windschutzscheibe ist es von großem Vorteil, dass ich das Motiv auf dem Kameramonitor beobachten kann. Die Kamera ist somit unabhängig von der Position meines Kopfes (den ich unmöglich überall hin beugen und drehen kann).  So kann die Kamera mal nach oben oder nach unten gekippt werden und der bewegliche Monitor bleibt für die Bildgestaltung immer gut einsehbar.

 

Hier die Daten zum Foto:

Brennweite 68mm (KB-Angabe), Aufnahmeprogramm P, ISO 200, Blende f/9 und erstaunliche 1/320 s (weil man eine kürzere Zeit erwarten könnte).

Autofocusfeld: Punkt und Scharfstellfunktion auf S. Wer ganz sicher gehen will lieber auf C bzw. SERVO AF, weil dann die Schärfe beim Heranfahren nachkorrigiert wird.

Aber ganz wichtig: Immer die Taste bzw. das Rad für die Belichtungskorrektur "am Finger" haben. Denn, je größer der Anteil des Himmels im Fotos, desto dunkler wird der untere Bereich. Und den will man meist gerade gut sichtbar erhalten.


Wo ist das Wasser?

 

Wie kann man nun darstellen, dass wir auf einem schmalen Damm fahren?

Umgeben von Wasser auf beiden Seiten?

Das Problem dabei ist, das auf unserer rechten Seite ein ca. 11 Meter hoher Deich zur Nordsee hin liegt. Nur auf der linken Seite ist das Wasser vom Auto aus zu sehen.

 

Da wir jedoch fast auf der Höhe des Wassers fahren, bekommt man keinen guten Blick auf das große Ijsselmeer. Nur so ein kleiner Steifen über der Leitplanke gibt den Blick auf das Wasser frei. 

 

Dies ist wohl besser ein Motiv für eine Aufnahmen aus der Luft!

 

Hier haben wir die Flecken der Windschutzscheibe etwas wegretuschiert, damit der Blick auf das große Wasser nicht zu sehr abgelenkt wird.

 

Die Aufnahmedaten sind die gleichen wie beim vorigen Bild.

Der Ausschnitt wurde so angepasst, dass die Diagonale genau unten links in der Ecke beginnt, der Horizont auf der 2/3-Linie liegt und der (rückwärtige) Wegweiser auf 2/3 in der Vertikalen.


Und eine Überraschung ...

 

Recht unerwartet tauchen auf der weiteren Fahrt auf beiden Seiten der Fahrbahn imposante Bauwerke auf. Ihr Zweck erschließt sich nicht aus ihrer Form. Aber das Web klärt alles auf:

Das sind die Sperrwerke, das westliche bei Den Oever heißt "Stevinsluizen". Diese Bauwerke bilden drei Gruppen und wirken wie monumentale Tempelbauten aus vergangen Zeiten.

 

Doch sie sorgen neben dem Durchlass für den Schiffsverkehr auch für den Austausch zwischen salziger Nordsee und dem Süßwasser des Ijsselmeers.

 

Wer es aus der Luftperspektive anschauen möchte, hier ist der Link dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Abschlussdeich

 

Dieses Foto wurde ein wenig bearbeitet. Einige zu störende Flecken durch die Windschutzscheibe retuschiert, die Autokennzeichen gelöscht, die Bauten gerade gerichtet. (Da kommt einfach der Architekt in mir durch, denn auf dem Originalfoto waren sie auch nicht wirklich schief).

 

Aufnahmedaten wie bei den vorigen Aufnahmen, denn wer hat schon Zeit an den Kameraeinstellungen zu "schrauben", wo doch jeder Moment einen neuen fotografierenswerten Anblick hergibt?

Nur an der Belichtungskorrektur wurde gedreht!


Aufnahmen, die nur aus dem Auto gelingen können.

 

Ein paar Tage später fahren wir durch Rotterdam. Wie alle niederländischen Städte ist ein freier Parkplatz wie ein 6er im Lotto. So können wir vieles eben nur beim Fahren einfangen.

 

Doch die Erasmusbrücke bekommt ohnehin erst aus der Autoperspektive ihre besondere Dynamik. Eröffnet in 1996, Höhe 139 m, 410 Meter lange asymmetrisch Schrägseilbrücke, mit einem abgewinkelten Pylon. (Für uns Hamburger und Umgebung hier die Vergleichsdaten zur Köhlbrandbrücke: Eröffnet 1974, 520 m lange Schrägseilbrücke).

 

Unser Glück: der Verkehr staute sich vor einer Ampel und wir konnten nur langsam vorankommen. Also konnte ich ein Foto nach dem anderen schießen.

 

Aufnahmedaten wie bei den vorigen Bildern nur in 28 mm (KB-Format) Brennweite.

 

Dieses Foto habe ich etwas mehr bearbeitet um den schönen blauen Himmel herauszuarbeiten. Die blaue Farbe unterstreicht perfekt den modernen technischen Look.


Das am dicht besiedelsten Flächenstaat der Erde

 

Wenn man durch die schmalen Straßen mit den Ausbuchtungen zum Ausweichen fährt, wird einem erneut klar, dass es hier auch auf dem Land nicht viel Fläche zu verteilen gibt. Die Niederlande sind das am dichtesten besiedelte Flächenstaat der Erde und das mit durchschnittlich den größten Menschen.

(Das Gegenstück zu den Niederlanden ist Namibia als am geringsten besiedelte Land).

 

Zum Anhalten war auch hier keine Chance weil doch öfter Autos entgegen kommen als diese Aufnahme zeigt.

Also auch ein Fall für eine Aufnahme aus dem Auto.

 

Bei diesem Foto gefällt mir, dass die Straße in beiden unteren Ecken des Bildes anfangen und sich so die wellige Straße in die Tiefe der Bildes hineinschlängelt, dazu einer der vielen kleinen Brücken über die vielen Wassergräben, deren Wasser fast auf Straßenniveau liegt.


Kontraste

 

Als Kontrast zu dem schmalen Sträßchen auf dem Land hier diese für die Niederlande eher ungewöhnliche Etagenkreuzung bei Rotterdam.

 

Hier habe ich beim Heranfahren ein Foto nach dem anderen geschossen. Aus der entfernteren Sicht wirken die Straßen eher flach, je näher man kommt, um so mehr wirken die Straßen dynamisch und dreidimensional.

 

Dieses Foto ist aus dem näheren Bereich ausgewählt. So wirken die Straßen dynamischer.

Zwei der Linien enden wieder in den gegenüberliegenden Ecken des Fotos. Dadurch wird der Eindruck der räumlichen Tiefe noch verstärkt.

 

Aufnahmedaten ähnlich wie bei den vorigen Aufnahmen!

Allerdings habe ich hier stetig die Belichtungskorrektur angepasst.

Resumee

 

Für diese Reiseerinnerungen sind Aufnahmen aus dem fahren Auto (bitte nur als Beifahrer) in viele Fällen wirklich gut geeignet. Diese Beispiele zeigen, dass es nicht notwendig ist, komplizierte Einstellungen. an der Kamera vorzunehmen, sondern dass man sich besser auf die Aufnahmesituation, den Bildausschnitt, das Abwarten des besten Moments konzentrieren sollte.

 

Mit Manuell kommt man hier nicht weit. Aber auch nicht mit der bequemen Vollautomatik. Denn die ermöglicht nicht die Umstellung auf das kleinste AF-Feld und stellt dann auch mal ganz unvermittelt auf die schmutzige Windschutzscheibe scharf.

 

Ebenso erlaubt die Vollautomatik nicht die Belichtungskorrektur oder möchte hin und wieder einfach mal den Blitz zuschalten.

Deshalb bietet die Einstellung auf P = Programmautomatik den besten Kompromiss zwischen Automatik und kleine manuellen Korrekturen.

Viel wichtiger ist jedoch, die Bildgestaltung, das Abwarten auf den richtigen Moment, das Ausrichten auf die Fotosituation.


Hast Du auch schon aus dem Auto heraus fotografiert?

Mit welchen Einstellungen an der Kamera?

Welche Erfahrungen hast Du dabei gemacht?

 

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