Aufnahmen bei wenig Licht

Mit diesen Einstellungen gelingen Deine Fotos von Feiern – auch bei wenig Licht.


Das Motiv

Eine Feier zu Hause oder in einem Saal, Gäste kommen und gehen, tanzen und lachen, einer hält eine Rede, andere gratulieren ... also viel Bewegung!

 

Der Raum ist mit vielen Lampen beleuchtet –  das ist künstliches Licht und bringt viel weniger Helligkeit als Du denkst. 

Die Aufgabe

Du möchtest schöne Fotos von dieser Feier machen.

Dass heißt, die Fotos sollen richtig belichtet, schön scharf sein und die Atmosphäre dieser Feier naturgetreu darstellen.

Für Aufnahmen in Museen, Ausstellungen und Kirchen schau Dir diesen Blog an!

Das Werkzeug

Die Atmosphäre kannst nur mit Aufnahmen ohne Blitz erhalten, das nennt man "Available Light Fotografie". Also bleibt der Blitz aus. 

 

Auch ein Stativ macht wenig Sinn, weil Du Dich damit nicht bewegen kannst und das Stativ nur im Weg ist.



Die Verschlusszeit

Auf diesen Feiern bewegen sich alle Personen mehr oder weniger schnell. In diesen Situationen bekommst Du nur einigermaßen scharfe Abbildung, wenn die Verschlusszeit nicht zu lang ist. 

 

Was kannst Du tun?

Das Moduswahlrad der Kamera auf S bzw. Tv (je nach Kameramodell) stellen. Dann kannst Du an dem Einstellrädchen die Verschlusszeit verändern. Bei einigen Kameras gibt es zwei Einstellrädchen; da musst du ausprobieren, welches das Richtige ist.

Bei den allermeisten Bewegungen kommst Du gut mit 1/60 sec. aus. Im Sucher steht unten auf der linken Seite allerdings nur eine 60

 

Merke Dir in welche Richtung Du das Rädchen an der Kamera drehen musst, um die Verschlusszeit kürzer oder länger werden zu lassen.

Die Band, 1/60 sec. mit Blende 1:2,8 und ISO 5.000, Belichtungskorrektur + 2/3 LW, Brennweite 19mm (Vollformat)
Die Band, 1/60 sec. mit Blende 1:2,8 und ISO 5.000, Belichtungskorrektur + 2/3 LW, Brennweite 19mm (Vollformat)


Die Sensor-Empfindlichkeit (ISO)

 

Je dunkler die Aufnahmesituation ist, desto empfindlicher sollte der Bildsensor der Kamera sein, damit er auch noch in die dunklen Stellen etwas Licht einfangen kann.

Für die meisten Aufnahmen bei Feiern ist die nicht zu lange Verschlusszeit das Wichtigste.

Deshalb stelle die ISO auf AUTO.

Auch wenn jetzt durch die hohe ISO Deine Fotos etwas pixeliger aussehen. Es ist der einzige Weg, Fotos in einer Situation mit wenig Umgebungslicht aufzunehmen.

 

Für den Fall, dass im Sucher die Blendenanzeige bei bestimmten Aufnahmen blinkt, schau mal, ob Du die ISO manuell noch höher stellen kannst.

Die Feier, 1/60 sec, Blende 1:2,8, ISO 8.000, Belichtungskorrektur -0,33 LW, 16mm (Vollformat).
Die Feier, 1/60 sec, Blende 1:2,8, ISO 8.000, Belichtungskorrektur -0,33 LW, 16mm (Vollformat).


Eine Langzeitbelichtung

Zwar macht es keinen Sinn mit einem Stativ herumzulaufen, aber die Tische sind ein perfekter Ersatz dafür.

Solang die Personen relativ ruhig an den Tischen sitzen, kannst Du auch schöne Langzeitbelichtungen machen.

Denn eine Langzeitbelichtung verwandelt alle Lichter in Sternchen.

 

Damit diese Belichtungszeit auch lang wird, stelle unbedingt die ISO auf 100. Durch diese niedrige Empfindlichkeit des Sensors wird die Verschlusszeit automatisch länger.

Im zweiten Schritt kannst Du die Verschlusszeit durch den Dreh an dem Rädchen noch länger stellen (z.B. auf 13 sec. siehe das Foto rechts).

Die Blende wird dann automatisch kleiner.

 

Licht als Sternchen, 13 sec, ISO 100, Blende 1:13, Belichtungskorrektur - 1 LW, 27mm (Vollformat)
Licht als Sternchen, 13 sec, ISO 100, Blende 1:13, Belichtungskorrektur - 1 LW, 27mm (Vollformat)


Die Blende

Du sagst jetzt vielleicht:

"Bei der Einstellung S bzw. Tv (Blendenautomatik) kann ich doch die Blende überhaupt nicht verändern?"

 

Ja, das stimmt! Dennoch macht es Sinn, sich über die Rolle der Blende bei Aufnahmen bei wenig Licht zu machen. Denn bei wenig Helligkeit muss die Blende größer (die Zahl immer kleiner) werden, wenn die Verschlusszeit nicht zu lang sein darf (siehe Beispiel rechts!).

 

Die Größe der Blende hängt von 2 Größen ab:

1. Dem Objektiv. Dort findest Du auch die Angabe der größtmöglichen Blende, z.B. 1:2,8 oder 1:3,5 - 5,6. Je kleiner diese Zahl ist, des größer ist die Blendenöffnung des Objektivs. -> Kaufempfehlung!

 

2. Der Brennweite: Bei einem Zoom-Objektiv veränderst sich (meist) die Blende, wenn Du zoomst. Wenn Du also in der Weitwinkelstellung (z.B. 18mm) bist, dann kann die Kamera z.B. die Blende 1:3,5 einstellen. Wenn Du dann bei gleichem Motiv in die Telestellung zoomst, wirst Du feststellen, dass die Blende kleiner wird (die Blendenzahl größer).

So sind die meisten meiner Aufnahmen von dieser Feier mit Weitwinkelbrennweite und Blende 1:2,8 entstanden.

Die Belichtung

Um die Abhängigkeit zwischen

  • Verschlusszeit,
  • Blendenöffnung und
  • Sensorempfindlichkeit

besser zu verstehen, vergleichen wir die Belichtung mit dem Füllen eines Eimers mit Wasser.

  • das Licht ist dabei das Wasser.
  • der Wassereimer ist der Bildsensor,
  • der Wasserhahn ist die Blendenöffnung des Objektivs.
  • die Fülldauer ist die Belichtungszeit

Wenn wir also nur wenig Zeit haben einen Eimer voll mit Wasser (den Bildsensor mit genügend Licht) zu befüllen, dann müssen wir den Wasserhahn (die Blendenöffnung am Objektiv) ganz weit aufdrehen.

 

 

Kurze Zeit erfordert eine grosse Blende, damit genügend Licht auf den Bildsensor einfallen kann.



Zusammenfassung

Vor Beginn der Feier/Veranstaltung:

  • Akkus laden,
  • Speicherkarte leer machen,
  • höchste Bildqualität (L) einstellen,
  • höchstmögliche Auflösung,
  • ISO auf AUTO, (oder als Langzeitaufnahmen auf 100)
  • Moduswahlrad auf S bzw. Tv
  • Verschlusszeit auf min. auf 1/60 sec.
  • Brennweite: Weitwinkel bis Standard 

 

Während der Aufnahmen:

  • Verschlusszeit variieren zwischen 1/60 sec bei ISO AUTO
  • oder ISO 100 und langer Zeit (z.B. 15 sec.)
  • Belichtungskorrektur unbedingt anpassen
    (dazu mehr im nächsten Blog-Artikel).

Beim nächsten Kauf beachten!

Aufnahmen bei wenig Licht und hoher ISO werden umso besser ...

  • Je neuer das Kameramodell
  • je größer der Sensor
  • je hochwertiger die Kamera.

Ein Objektiv ist für Aufnahmen bei wenig Licht besser einsetzbar ...

  • Je lichtstärker das Objektiv ist, d.h.
  • je größer die größte Blende (z.b. 1:2,8)

 



Tipps zur Gestaltung der Aufnahmen, zum Standpunkt, Blickrichtung und Bildausschnitt folgen im nächsten Blogartikel!


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