Viel fotografierte Motive

Wie Du vielfotografierte Motive neu entdecken kannst und ganz besondere Fotos schießt!


Heute geht es darum, wie man ein vielfotografiertes Motiv fotografisch neu entdecken und für den Betachter dadurch noch interessanter machen kann.

 

Sicher kennst Du das: Du stehst vor einem Motiv, das schon mmillionenfach fotografiert wurde. Der Eiffelturm, die Sphinx, das Berliner Tor, der Hamburger Michel.

Einerseits möchtest Du unbedingt auch ein Foto davon haben, andererseits nicht noch das Tausendundeinste oder Millionste vom gleichen Standpunkt mit dem gleichen Ausschnitt machen. Es geht also darum eine neue Art zu finden, wie man ein Motiv in anderer Form einfangen kann, so dass ein interessanteres Bild entsteht, welches wieder zum Hingucken einlädt.

Beispiel Leuchtturm Balje

Bei dem schönen sonnigen Wetter in der letzten Woche sind wir mal wieder an die Elbe zum alten Leuchtturm in Balje gefahren.

Dieser Leuchtturm kann immer nur in der Zeit zwischen Juli bis September (ausgenommen montags und freitags) besucht werden, weil er sonst im Wasser liegt.

 

Diesen kleinen Leuchtturm mag ich, weil er so einen speziellen Charakter hat. Und die weite Aussicht vom Turm auf die Elbmündung und die Schleuse des Nord-Ostseekanals ist grandios.

Klar, dieser kleine Leuchtturm ist vielleicht noch nicht eine Million Mal Mal fotografiert worden, aber oft genug wie in dieser Art von Aufnahmen (siehe rechts).

 

Auf der Suche nach neuen Sichtweisen hat mich ein Schritt und neuer ein Blick zu einem neuen interessanten Foto geführt.

Bild: Baljer Leuchtturm ©Rita Helmholtz
Baljer Leuchtturm ©Rita Helmholtz
Foto: Elbmündung bei Balje ©Rita Helmholtz
Elbmündung bei Balje ©Rita Helmholtz


Neuer Blickwinkel

Bild: Blick vom Baljer Leuchtturm auf die Elbe ©Rita Helmholtz
Blick vom Baljer Leuchtturm auf die Elbe ©Rita Helmholtz

Der kleine Schritt zurück

Ganz  oft hilft schon ein kleiner Schritt – ein Schritt zurück  um ein weiteres Bildelement hinzu zufügen .... einen Rahmen oder ein anderes  Vordergrundelement.

 

 

In diesem Fall eröffnete der Schritt zurück ein überraschendes Spiegelbild in der gebogenen Glasfläche des Leuchtturms. Witziges Pendant ist auch der schmale Durchblick auf der rechten Seite. 

 

An den Beispielen rechts siehst Du, was ich probiert habe:

Ohne den Rahmen, ohne das Geländer ist diese Spiegelung auf dem gebogenen Glas fast unverständlich. Das Wasser auf der Spiegelung wirkt einfach nur unscharf.

Ein weiterer Versuch bestand darin, den Durchblick durch ein weiteres Fenster des Leuchtturms in das Fotos einzubeziehen. Dadurch wird die räumliche Situation für den Betrachter etwas verständlicher, aber diese Dreiteilung wirkt langweilig, auch weil sie so gleichmäßig ist.


Kleine Bild-Analyse

Das obere Foto ist genau nach dem Goldenen Schnitt aufgeteilt (siehe Foto links): der Horizont liegt auf der untere Teilungslinie und der Turm mit der Spiegelung auf der rechten vertikalen Teilungslinie des Goldenen Schnitts.

 

Das kleine geschwungene Dreieck des Geländers wirkt wie ein Pfeil und zieht des Blick des Betrachters in die Tiefe des Bildes hinein.



Reizvolle Durchblicke

Bild: Blick durch den Baljer Leuchtturm auf die Elbmündung ©Rita Helmholtz
Blick durch den Baljer Leuchtturm auf die Elbmündung ©Rita Helmholtz

Dieses Foto entstand durch den berühmten Schritt zurück und zusätzlich einen Blick zurück – zumindest teilweise.

 

Fotografiert mit meinem neuen 28-300mm-Objektiv für meine Vollformat Canon, 28mm, Bl. f/7,1, 1/125sec., +1/3 Korrektur, ISO 100. Bei schönem sonnigen Wetter kein Problem: die Blende sollte für solche Nah/Fern-Blick-Aufnahmen nicht zu groß (z.B. nicht f/2,8) sein, da sonst zu viele Bereiche unscharf abgebildet würden.

 

Bei diesem Foto überlagern sich der Durchblick durch die Glasfenster des Leuchtturms mit den Spiegelungen auf der gebogenen Scheibe und der freie Blick auf die Wasserlandschaft.

 

Diese Durchblicke erzeugen optisch große räumliche Tiefe. Ein Trick, der auch in der Architektur angewendet wird. Zum Beispiel die Seitenschiffe in Kirchen sind durch eine Pfeiler- oder Säulenreihe von Hauptschiff getrennt. So schaut man entweder von Mittelschiff durch diese Bögen auf die Seitenschiffe oder vom Seitenschiff durch die Bögen auf das Mittelschiff. Der Raum wirkt dadurch größer und weitläufiger, als wenn es nur ein großer freier Raum wäre.

 

In der Fotografie können wir freier gestalten. Wir gehen ein paar Schritte zurück und schauen, ob wir diese Durchblick-Elemente finden. Das können auch Gitter, Zäune, Blumenranken, Fensterflügel, Gerüste, Personen sein. Genau betrachtet  sind diese Elemente eine Störung des "schönen" Ausblickes auf die Landschaft. Doch genau diese Störung lässt die dahinterliegende Landschaft im Kontrast dazu noch harmonischer, noch weiter, noch leuchtender erscheinen. 


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