Theater-/Konzertfotografie

Wie fotografiert man kleine und große Stars auf der Bühne?


Bild: The Shells auf der Bühne im Kornspeicher in Freiburg/Elbe
The Shells auf der Bühne im Kornspeicher in Freiburg/Elbe

Theaterfotografie, das steht für Fotos von kleinen und großen Darstellern auf einer Bühne, auf Konzerten, Musicals, Varietees, bei Lesungen und Vorträgen.

 

All diesen Situationen ist eines gleich: sie finden auf einer meist dunklen Bühne statt und der jeweilige Künstler/die jeweilige Künstlerin wird mit hellen Strahlern ausgeleuchtet. 

 

Aus Sicht der Kamera ist es insgesamt relativ dunkel. Erschwerend für die Kamera kommen die hohe Kontraste zwischen den beleuchteten Bereichen um die Künstler und der dunklen Bühne im Hintergrund.


Diese Einstellung unbedingt VOR der Vorstellung machen!

Bei einer Aufführung sind die Klick- und Klack-Geräusche und der Piep, wenn der Autofocus scharf gestellt hat, sehr störend. Deshalb sollte der erste Schritt der Vorbereitung sein, diese störenden Lichter und Töne abzuschalten oder zu minimieren:

  1. das Autofocus-Hilflicht (deaktivieren)
  2. den Piep des Autofocus ("Piep-Ton deaktivieren"/"Tonsignal ausschalten"))
  3. das Klappgeräusch des Spiegels reduzieren ("leise Einzelbildaufnahmen"/" Lautlose Aufnahmen")

Auch bei den digitalen Systemkameras – also den Kameras ohne Spiegel – kann das Auslösegeräusch verringert bzw. ganz ausgeschaltet werden  (z.B. Olympus OM-D, Sony Nex, Lumix G, Fujifilm X-Serie, Samsung NX, etc.).


Eine kleine nicht unwesentliche Besonderheit 

Fotografieren im Theater, einem Musical oder bei einer Lesung bedeutet, dass es im Zuschauerraum dunkel ist .... oft zu dunkel, um an der Kamera die jeweiligen Tasten, Rädchen und Hebel zu sehen. Das ist ein guter Anlass, sich die eigene Kamera mal ganz genau anzusehen und zu üben, sie auch im Dunklen einzustellen.


Welche Kriterien stellen wir an unsere Fotos?

  1. Es sollte durch das Drücken des Auslösers nicht verwackelt werden
    (d.h. keine Verschlusszeit unter 1/30 sek.).
  2. Die Bewegung der Künstler soll nicht unscharf werden
    (d.h. je nach Aktionen die Verschlusszeit nicht unter 1/60 Sekunden).
  3. Das Foto soll eine gute Bild-Qualität haben
    (ISO nicht zu hoch, je nach Kamera ist diese Grenze  verschieden).
  4. Das Foto soll keine hellen ausgefressenen Bildstellen haben
    (damit sind die Bereiche in einem Foto gemeint, an denen das Bild völlig überbelichtet ist).

Die richtige Belichtung

Als Grundeinstellung biete sich hier die Programmautomatik, Wahlrad auf P, an, denn die Kamera stellt in einer dunklen Umgebung ohnehin die größte Blende ein.

Wenn Du auf S bzw. Tv (Zeitvorwahl) stellst und eine von Dir gewünschte kürzere Verschlusszeit, kann es passieren, dass das Foto unterbelichtet wird, weil die Blende dieses Objektivs nicht weiter geöffnet werden kann und die ISO schon am Ende angekommen ist.

Die bessere Alternative ist auf A bzw. Av (Blendenvorwahl) zu stellen und gleich die größte Blende vorzuwählen. Dann werden für die beiden anderen "Beteiligten" – Verschlusszeit und ISO – automatisch immer die bestmöglichen Werte eingestellt.


So bekommst Du die größtmögliche Blende?

Die größte Blende kann je nach Objektiv und Zoomstufe (Brennweite) f/1,8 (bei einem Standard-Objektiv), f/2,8 bis hin zu f/5,6 (bei Zoom-Objektiven) sein. Das ist eine Spannweite von 3 Blendenstufen. Je größer die Blende des Objektivs, desto weniger Probleme entstehen bei der Verschlusszeit bzw. bei der ISO.

Wie im letzen Blog geschrieben, erhalte ich bei den meisten Zoom-Objektiven die größte Blende bei der kürzesten Brennweite (ausgenommen Objektive, die über den gesamten Brennweitenbereich die gleiche Blende haben). So gern Du jetzt die lange Brennweite des Zoom nutzen möchtest, es ist besser, Du gehst näher an die Bühne heran und fotografierst mit einer kleineren Brennweite, dafür aber mit der größtmöglichen Blende.


Was tun bei grellem Spotlight bei dunkler Umgebung?

Das ist das ein weiterer Punkt, der der Kamera Schwierigkeiten macht: der große Helligkeitsunterschied. Deshalb haben wir hier die zu dunklen und zu hellen Bereiche auf diesem Beispielfoto mal sichtbar gemacht.

Zu dunkle und zu helle Bereiche

Hier das komplette Foto: insgesamt zu hell, mit überbelichteten ausgefressenen Flächen.

Hier sind die sehr hellen im Foto überbelichteten Bereiche herausgehoben. Diese sollten unbedingt vermieden werden.

Hier sind die dunklen Bereiche herausgehoben, die deutlich machen, dass die Belichtungsmessung der Kamera etwas irregeführt wird.



Grundlegender Tipp für alle (Einsteiger wie Fortgeschrittene)

Das menschliche Auge kann sowohl die ganz hellen Stellen als auch - mit etwas Verzögerung durch die Anpassung - auch die dunklen Bereiche gut erkennen. Dies ist bei einer Kamera deutlich eingeschränkt. Der Dynamikumfang der Belichtung  – also der Unterschied zwischen der hellsten und der dunkelsten Stelle – kann durch eine automatische Einstellung gemildert werden. Diese ist im Kameramenü zu finden und zwar bei:

  • Canon unter ALO (Automatic Lightning Optimizer = automatische Belichtungsoptimierung)
  • Nikon unter ADL (Active D-Lightning = aktive Dynamik-Belichtung)
  • Sony unter DRO (Dynamic Range Optimizer = Verbesserung des Dynamikumfangs)
  • Panasonic unter iDynamik (intelligente Dynamik)

Je nach Kameramodell kann man sogar noch die Stärke des Kontrastausgleichs wählen.

Diese Einstellung verhindert, dass große „ausgefressene“ Bildbereiche entstehen.


Tips für Fortgeschrittene

Zusätzlich zu der genannten Maßnahme kannst Du die Höhe des Kontrasts durch Einstellungen in den Bildstilen anpassen. Die findest du je nach Kameramodell bei

  • Canon unter Bildstile
  • Nikon unter Picture Control
  • Panasonic unter Bildeffekte/Kontrast
  • Olympus unter Bildmodus/Kontrast
  • Pentax direkt unter Kontrast

Reduziere darin den Kontrast auf -2 bzw. -5 (je nach Kameramodell).

Wir helfen Dir gern weiter, wenn Du die zu Deiner Kamera passende Einstellung nicht finden kannst!


Wie finde ich die richtige Belichtung?

Die Kamera misst in der üblichen Belichtungsmessung in Matrix- oder Mehrfeldmessung die Helligkeit über das gesamt Bildfeld. Zwar wägt die Kamera dabei ab, ob es sich um Bereiche im Bildzentrum oder am Bildrand handelt. Bei Aufnahmen von Bühnen ist jedoch meist der überwiegende Teil der Bildfläche dunkel. Sieh oben das Beispiel, in dem wir mal nur die dunklen Flächen darstellen.

Diese Flächen können und sollen auf dem fertigen Foto auch dunkel bleiben. Nur die Künstler sollen hervorgehoben sein.

Durch die großen dunklen Bildanteile ermittelt die automatische Belichtungsmessung der Kamera meist eine zu „helle“ Belichtungseinstellung.

 

Daher unser Tipp: die ±Korrektur auf -2/3 oder -1 einstellen.

Das sorgt dafür, das der Bereich der Künstler korrekt ausgeleuchtet wird und die Umgebung - die Bühne -  nicht zu hell auf dem Foto erscheint.

 

Dies Korrektur hat noch einen positiven Nebeneffekt:

Die Korrektur verkürzt die Belichtungszeit, z.B. von 1/30 sec auf 1/60 sec.

So gibt es weniger Verwacklungs- und Bewegungsunschärfen.

Oder wahlweise verringert sie die ISO von 3200 auf 1600 und sorgt so für rauschärmere Fotos.


Auf ins' Konzert!

Doch nach all den Tipps zu den technischen Aspekten, das Wichtigste ist der Ausdruck des Fotos.

Zum richtigen Zeitpunkt auf den Auslöser drücken – eine lebendige Situation einfangen! Nicht lachen, wenn die anderen lachen, sondern auf den Auslöser drücken .... das fällt mir selbst am schwersten!


Welche Erfahrungen hast Du bei Aufnahmen von Konzerten, Aufführungen und Lesungen gemacht? Erzähle uns Deine Geschichte hier in den Kommentaren.


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