6 Fragen und Antworten zur Hochzeitsfotografie

1. Was macht die Hochzeitsfotografie so besonders?

Wenn man sich diese Aufgabe einmal ganz unsentimental anschaut, ist Hochzeitsfotografie eine Reportage. Es ist allerdings eine ganz spezielle Reportage, nämlich über ein total einzigartiges Ereignis. Anders als z.B. eine Reportage über ein Land, über eine Tierart, ein Fest (wie Karneval in Rio), kann man hier keine Szenen erneut fotografieren. Vorbei ist vorbei … für immer. 

Doch wie sollte man es schaffen, überall gleichzeitig zu sein und dazu auch immer die richtige Einstellung zum richtigen Motiv zu haben. 

OK, einer allein kann das nicht!

2. Wie sieht es mit dem Licht und der Helligkeit aus?

Schauen wir uns zunächst die Locations an.

Hochzeiten beginnen in einem Standesamt. Diese finden meist in schönen alten Rathäusern oder anderen besonderen Räumen statt. Räume, die eher dunkel sind - aus Sicht einer Kamera.

Die nächste Location ist eine Kirche. Ebenfalls dunkel viellicht noch mit hellen Fenstern im Hintergrund.

Die anschließende Feier findet tagsüber entweder in einem großen Saal oder einem Zelt im Freien statt – mehr oder weniger hell ... am besten natürlich im Freien. 

Am Abend wird vielleicht in einem großen Restaurant gespeist und getanzt. Dort ist es noch viel dunkler.

3. Welche Blende, mit oder ohne Blitz?

Ohne lichtstarke Objektive, also solche mit der größten Blende 1:1,4 bis etwa 1: 2,8, hast Du in den Innenräumen keine Chance. Und je höher die ISO an Deiner Kamera ist, um so besser. Aber nicht die höchste Einstellung verwenden. Die Fotos könnten zu starkes Farbrauschen bekommen. Falls Deine Kamera über eine Rauschreduzierung bei hohen ISO verfügt, unbedingt einschalten.

Blitzen als Alternative: Direkter Blitz zerstört die Atmosphäre. Nur dort wo es wirklich zu dunkel ist, so indirekt wie möglich Blitzen mit Reflektor oder Streuscheibe.


In vielen Räumen befindet sich hinter dem Brautpaar oder dem Geistlichen bzw. Standesbeamten ein helles Fenster. Wenn man also als Fotograf mal in Richtung Fenster und mal in die Gegenrichtung fotografiert, muss man intensiv auf die ±Korrektur achten und sie immer wieder justieren.


Ehe ich es vergesse: die Einmaligkeit der Situationen erfordert es unbedingt Fotos in RAW (ggf. zusammen mit JPG) aufzunehmen.

4. Welche Brennweiten brauche ich?

Bei den besonderen Locations gehört zur Reportage unbedingt die Gesamtansicht, die schönen Innenräume oder in und vor der Kirche, dem Rathaus die schönen Fassaden mit der Hochzeits-Gruppe. Das sind Fotos für Weitwinkel-Brennweiten, möglichst in symmetrischer Anordnung, das Paar in der Mitte. Fotos, die das Großartige, das Überwältigende im Blick haben.

Daneben aber gibt es die ganz gefühlvollen private Momente, die Träne, die vor Rührung die Wange hinunter kullert, die zitternden Finger, die sich gegenseitig die Ringe anstecken, der Kuss, die Gratulation der Gäste, all das sind wichtige Details, die ein Teleobjektiv in Aufnahmen mit geringer Tiefenschärfe besonders reizvoll einfangen kann. Zu diesen Details gehört auch die Hochzeitstorte, der Anschnitt durch das Brautpaar, die gelegentlichen Ausrutscher, das Lachen der Zuschauer über kleine FauxPas, das Zupfen am langen Kleid, der Absatz, der irgendwo stecken bleibt. 

Da keiner so schnell die Objektive wechseln kann, rate ich zu zwei Gehäusen je mit einem Teleobjektiv (105 - 250 mm) und eines mit einem Weitwinkel-Objektiv bestückt (18 - 24 mm).

Allerdings muss man für diese Aufnahmen ja auch unterschiedliche Standpunkte einnehmen. Das ist besser wieder ein Job für zwei.

5. Von welchem Standpunkten mache ich die besten Fotos?

Hochzeitsfotos sind Reportagefotos. Wenn uns bewusst ist, für wen wir eine Reportage machen, dann wissen wir in vielen Situationen gleich viel besser, auf was wir achten sollten. Nehmen wir einmal an, der Bräutigam sei der Auftraggeber, der das größere Interesse an den Fotos hat. Dann ist klar, dass man seine Sicht der Braut einfangen muss. Also hinter ihm stehen, wenn die Braut zum ersten Mal durch die Tür schreitet und er sie sieht. Und später würde man natürlich das schönste Lächeln, die nettesten Gesten von ihr einfangen.


Umgekehrt ist es, wenn die Braut die eigentliche Auftraggeberin ist. Wie spannend ist es hinter der Braut zu stehen - natürlich so unauffällig wie irgend möglich - und den staunenden Gesichtsausdruck des Bräutigams in dem Moment einzufangen, wo er zum ersten Mal seine Braut erblickt. 

Du wirst jetzt sicher sagen, ja wie, beide wollen doch diese Fotos haben. Genau deshalb denke ich, dass mindestens zwei Fotografen dabei sein sollten. Jedes/jeder mit einer anderen Perspektive bei der Reportage.

6. Wie bekomme ich die schönsten Fotos von Braut- und Brautpaar?

Fast immer werden spezielle Fotos vom Brautpaar und seinen Gästen in unterschiedlichsten Posen gewünscht. Zu diesen Aufnahmen sollte ein Fotograf mehr Ideen einbringen, als die Gäste in Bilderrahmen zu stecken und der Braut einen Schirm mit Spitzenvolants in die Hand zu drücken. 

Bei diesen Aufnahmen sollte es darum gehen, etwas Individuelles über die beiden Personen und ihre Besonderheiten, vielleicht ihre Interessen, das, was beide verbindet, darzustellen. Auch die Umgebung für solche Fotos sollte aus meiner Sicht vor einem entsprechenden Hintergrund ausgewählt werden. Dazu passt dann meist die Umgebung nicht, in der die Feier stattfindet. 


Um besondere Aufnahmen zu erhalten, braucht man besondere Einstellungen. Einstellungen, die die Aussage verstärken und nicht einfach nur sehr ungewöhnlich sind. Es gibt viele sehr besondere Brautfotos, wie z.B.: Im Sonnenuntergang, am Strand mit einem extremen Weitwinkel von ganz unten fotografiert, neben ein altes Auto drapiert oder in einer Scheune ins Heu „geworfen“ …. Es gibt richtige Moderichtungen für Hochzeitsfotografie. Eine der Neueren z.B. ist, das Brautpaar in Einkaufszentren zu fotografieren, so im Laufen zwischen den Leuten beim Shoppen oder in verlassenen Gebäuden, die besonders reizvoll aussehen, wenn die Farbe abgebröckelt ist und die Fenster zerbrochen sind, sich Regenpfützen auf dem Boden bilden.

All das hat seinen Charme, wenn es zu dem Hochzeitspaar passt. Dem eigenen Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt.


Die Fotoaktion sollte unbedingt weit vor einer Hochzeit beginnen. Der Fotograf sollte in die Auswahl der Locations mit einbezogen werden. Nur so kann man verhindern, dass ein Teil der Feier z.B. unter roten Sonnenschirmen stattfindet, die alle Personen darunter eine rote Hautfarbe verpasst.


Falls Du schon einmal auf einer Feier fotografiert hast, welche Erfahrungen hast Du gemacht?

Welche Probleme sind dabei aufgetreten?

Welche Momente hast Du verpasst oder nicht so einfangen können, wie Du es Dir gewünscht hättest?


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Kommentare: 1
  • #1

    Thorsten Fellinger (Sonntag, 01 März 2015 13:37)

    Liebe Rita,lieber Norbert ! Auf Hochzeiten war ich bisher noch nicht als Fotograf tätig - wohl aber auf Konfirmationen,runden Geburtstagen u.Ä. Ein Problem waren dabei wirklich die wechselnden Beleuchtungsverhältnisse . Aber auch der Versuch am Tisch bei den Mahlzeiten oder später beim Feiern die Stimmungen einzufangen fand und finde ich schwierig : oft wirkt das Bild zu "wuselig",weil viel zuviel draufkommt - oder man nimmt sich eine Person besonders vor ( vielleicht,weil sie gerade besonders komisch ist ) und dann läuft man Gefahr ,dass diese Person einschnappt und der Rest der Runde sich gekünstelt verhält.
    Aber ich habe noch eine Frage und/oder Anregung : ist es eigentlich möglich,einen workshop um das Thema "goldener Schnitt" zu machen ? oder ist die Sache schnell erklärt?
    Viele Grüße und schönes Wochenende , Thorsten